2010

- Wirtschaftsblatt Preiskampf 2010

Preiskampf der Fotografen

Immer mehr Fotografen kämpfen am überschaubaren Markt. Dazu kommen Billigst-Agenturen und Amateure, die die Preise niedrig halten. Qualität ist nach wie vor teuer.

Ein wissendes Seufzen war die häufigste Reaktion bei Interviewanfragen zum Thema Preisdumping bei Fotografen: Dass es dieses gibt, zweifelt in der Branche niemand an. Einer, der zum Preisverfall beigetragen hat, ist Johann Wodicka. Etwa zwei Drittel des Umsatzes macht seine Online-Bild-Agentur Bilderbox, die zeitlose Fotos, sogenannte Stock-Fotografie, anbietet, mit Abo-Systemen. Wer eine Pauschale bezahlt, die von Auflagenhöhe und Erscheinungshäufigkeit abhängt, darf so viel herunterladen wie er will. Wer einzelne Bilder kauft, zahlt nach wie vor höhere Preise, pro Bild zwischen 29, 90 € und 55 €.

Für Wodicka, der etwa 60 Prozent der Bilder ins Ausland verkauft, ist jede Online-Bild-Agentur auf der Welt Konkurrenz: "Der Mitbewerber sitzt nur einen Mausklick weit weg -egal ob er in Dänemark, Holland oder sonstwo auf der Welt ist." Medien, die diese Bilder zum günstigen Preis kaufen, gibt es reichlich. Wodicka hat etwa 140 fixe Kunden. Wie viel er umsetzt, will er nicht sagen. Aber: "Ich betreibe die Agentur mit meiner Frau, und wir können ganz gut davon leben."

Zu viele Fotografen

"Ich hoffe, dass die Berufsfotografen da nicht mitspielen", sagt Michael Weinwurm, Landesinnungsmeister der Fotografen in Wien. Fotografen bekämen pro Veröffentlichung in solchen Agenturen 60 Cent, was sich kein Berufsfotograf leisten könne. Weinwurm geht davon aus, dass dort vor allem Amateure tätig sind.

Den Hauptgrund für das Preisdumping sieht Weinwurm darin, dass es zu viele Fotografen gibt, "vor allem solche, die eine schlechte oder keine Ausbildung haben". In Wien haben etwa 950 das Gewerbe angemeldet, in ganz Österreich zirka 2700. Das klingt gar nicht so viel: "Die Dichte ist aber ganz schön hoch", meint Weinwurm. "Vor allem im Anfängerbereich gibt es einen riesigen Wulst an mittelmäßigen Fotografen, die die Preise dumpen müssen, weil sie von der Qualität her noch nicht so weit sind und noch keinen Namen haben."

Gewerbe öffnen

"Es wird oft um den geringsten Preis gehandelt. Viele Fotografen arbeiten für sehr wenig Geld", sagt ein Jungfotograf, der anonym bleiben will. Über einen längeren Zeitraum bedeute das, dass hochwertige Arbeiten nicht möglich sind. Tatsächlich gebe es Preisdumping nur im Bereich digitales Kleinformat, denn bei digitalen Großformaten sei allein das Equipment immens teuer. Und während früher eine Kamera 30 Jahre halten musste, müsse jetzt alle fünf Jahre eine neue her.

Wie viele wünscht er sich eine Öffnung des Gewerbes. Laut Innungsmeister Weinwurm ist der Zugang zum Gewerbe ohnehin relativ einfach. Besonders die Pressefotografie müsse lediglich angemeldet werden. In diesem Bereich gebe es einen "gewaltigen Preiskampf". In Deutschland, wo vor ein paar Jahren das Gewerbe freigegeben wurde, sei die Entwicklung "ruinös".

http://www.wirtschaftsblatt.at/home/schwerpunkt/werbung/446798/index.do

- Wirtschaftsblatt Hochzeit. 2010

Bei Hochzeiten wird fleißig gepfuscht

Der Wiener Innungsmeister Michael Weinwurm schätzt, dass in Wien etwa 100 Menschen "im dunkelgrauen Bereich", also ohne Gewerbe, als Fotografen tätig sind: "Vor allem bei Hochzeitsreportagen wird fleißig gepfuscht. Da werden Preise verlangt, wo mir die Ohren schlackern", sagt Weinwurm.

Stephan Rauch ist ein Gegenbeispiel: Er hat sich vor zehn Jahren auf den Bereich Hochzeitsfotografie spezialisiert und liefert hier einfallsreiche und originelle Arbeiten abseits vom Üblichen. Wer ihn für einen Tag und ein Hochzeitsalbum bucht, legt 6000 € ab. Seine Mitarbeiter sind ab einem Tagessatz von 2000 € zu haben. Aufträge hat er dennoch mehr als genug. Er ist international unterwegs und hat Zweigstellen im Ausland.

Das Wehklagen seiner Zunft kann er nicht ganz verstehen: "Viele Fotografen, die traditionell operieren, jammern jetzt, aber lassen sich trotzdem nichts Neues einfallen." Man müsse den Kunden etwas bieten, was etwas wert ist, dann zahlen sie auch höhere Preise.

Durch das geschützte Gewerbe werde es vor allem jungen Talenten schwer gemacht, sich zu etablieren. "Die Platzhirsche bemühen sich, junge Leute rauszuhalten", sagt Rauch. Ihn erstaunt es daher kaum, dass sehr gute Fotografen allesamt international tätig sind.

Zum Artikel

http://www.wirtschaftsblatt.at/archiv/446745/index.do

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